Bunyola, das andere Mallorca

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Manche kennen das Dorf in der Sierra de Tramuntana durch den Halt des Zuges von Palma nach Sóller. Die Fahrt geht durch mehrere Tunnels entlang der Strasse dann durch die Sierra de Alfabia. Bei Bunyola besticht der Blick gegen Westen auf das langerstreckte Teix-Massiv. Unteralb des Berges, mit der Zuschreibung von magischen Kräften, ragen bedeutend niedriger die drei bizarren Spitzen: Son Poc, Puig de Son Nassi und Puig de Bernasa empor.

Bunyolas Häuser schmiegen sich eng an den Berghang. Es weht immer eine frische Briese. Die Jahresstatistik der Meteorologen belegt immer eine etwas niedrigere Mitteltemperatur als auf der übrigen Insel. In der Gemeinde leben heute 5000 Einwohner. Die Zahl der Bunyolers ist in den 10 letzten Jahren nicht etwa deshalb um 1000 Personen gestiegen, weil hohe Geburtenraten zu verzeichen waren. Durch die ausgebaute und begradigte Strasse von Palma nach Sóller zum Tunnel von Sóller sind die 17 Km Entfernung zu Palma ein Katzensprung geworden. Die Bunyolers wohnen im Bergdorf, geniessen die ländliche Umgebung in ihrer Freizeit und arbeiten in Palma. Die Kommune Bunyola hat eine Fläche von rund 84 Quadratkilometern. Zur Gemeinde gehören das Bergdorf Orient und der 1987 entstandene Retorten- und Schlafort Palmanyola.

Bunyola erhielt seine kirchenrechtliche Existenzberechtigung wie so viele andere Dörfer Mallorcas nach der christlichen Eroberung. Aus Rom kam im Jahr 1248 durch die päpstliche Bulle von Inozenz dem IV die Genehmigung, eine Pfarrei zu gründen. Aber die Kirche Bunyolas wurde erst im XVIII. Jahrhundert fertiggestellt, bis dahin begnügten sich die frommen mit einer kleinen Kapelle. Doch die eigentliche Entwicklung des Dorfes ist mit seiner geografischen Lage verbunden. In Bunyola trennen sich die Wege nach Sóller in das Tal von Orient. Als die Menschen noch mit Muli- und Eselskarren ihre Güter transportierten und Reisernde mit Pferdekutschen oder hoch zu Ross auf den holprigen Strassen über die Pässe nach Sóller fuhren, betrug die Fahrtdauer noch mehrere Tage. Auf dem Weg entstanden Herbergen und es gab Händler, die die Reisenden auf ihrem Weg mit Proviant belieferten. Doch auch die Landgüter in der Nähe des Dorfes brauchten Handwerker, die sich in Bunyola niederliessen.

Ob der Name des Ortes vom lateinischen uineola abstammt, dem Synomym für Weinbau, oder auf arabische Ursprünge zurückgeht, ist nicht belegbar. Ein maurischer Emir mit dem Namen Buyula-Musu regierte in arabischer Zeit eine Alqueria von immensen Ausmassen, die über Bunyola bis nach Banyalbufar reichte. Vielleicht sind schon in dieser Zeit die grossen Possesionen entstanden. Genauso möglich ist aber auch ein früherer Zeitpunkt. Beides ist unter Historikern noch umstritten. Die Landgüter Alfabia, Biniforani, Barcelona, Alqueria Blanca, Raixa, Biniatar, Coma-Sema und Alqueria d`Avall gehören zu den prächtigsten Kulturgütern Mallorcas. Wann immer mit ihrem Bau begonnen wurde, weiss keiner. Sicher ist nur, dass sie über alnge Zeiträume hinweg entstanden sind. War die Jahresernte besonders gut, gaben die Besitzer den Bau neuer Gebäudetrakte in Auftrag. Ständig wurden von den Landarbeitern die Wohnhäuser, Ställe, Scheunen und Geräteschuppen ausgebessert. Vor allem die Ölpressen, die für den finanziellen Gewinn von grosser Bedeutung waren, bedurften mit ihrer ausgeklügelten Mechanik einer sorgsamsten Wartung.

Die norwestlich verlaufene Ebene von den Vorständen Palmas zu den Ausläufern der Serra de Tramuntana ist ein fruchbares Tal. Auch heute noch stehen dort unzählige Mandel-, Johannisbrot- und Ölbäume. Um die Jahrhundertwende sind 35% des gesamten Olivenölproduktion Mallorcas in den Possesiones Bunyolas hergestellt worden. Heute werden nur noch 10% der Oliven von den Bäumen geerntet. Die Konkurrenz aus Italien, Griechenland und auch von spanischem Festland ist übermächtig geworden. Auch um die mallorquinischen Mandeln ist es sehr schlecht bestellt. Die weitläufigen Plantagen sind nur mit kräftigen Subventionen durch die EU Agrarkommision zu erhalten. Der weltweite Siegeszug der kalifornischen Mandeln hat den Niedergang besiegelt. Haute ist die Existenz der endlosen Baumreihen fast nur noch dem Umstand zu verdanken, dass die Hochglanzbroschüren der Reiseveranstalter mit ihrer traumhaften Blütenpracht werben.

Doch zu den Zeiten, in denen Oliven, Mandeln und Johannisbrot noch eine gute Ernte-Erträge brachten, konnten einige Landarbeiter für sich und ihre Familien eigene Casitas bauen. So wurden sie zu Bunyolers. ..

Vor allem die Gärten von Alfabia werden heute den arabischen Landschaftgestaltern zugeschrieben. Es gibt Historiker, die beeindruckende Bauten, geniale Bewässerungssysteme und Gärten mit üppiger Vegetation ferne den muselmanischen Zeit Mallorcas zurechnen. Für sie ist die Geschichte der Insel wie ein orientalischer Teppich, der sich aus vielen Knoten, Ornamenten und Farben zusammensetzt, die den Charakter der nordafrikanischen Eroberer tragen. Wieder andere der Geschichtsschreiber sind auf die tiefreichenden Wurzeln der mallorquinischen Identität bedacht und betonen ständig, dass die Maurer auf Mallorca die perfekten Wassersysteme und die intelligent angelegten Terrassenlandschaften schon vorgefunden hätten. In ihren Augen haben die Moros diese Errungenschaften allenfalls verfeinert. Sie gestehen ihnen gerade noch zu, den verwilderten Ölbäumen Zweige mit früchtetragenden Sorten aufgepfropft und in den Patios Zitronenbäume gesetzt zu haben.

Der Aufstieg der Possesionen in der Neuzeit hing eng mit einem sensationellen technischen Fortschritt zusammen. Im Jahre 1912 wurde nach einer Bauzeit von fast 6 Jahren die Bahnlinie Palma-Sóller eröffnet. Die reichen Orangen-Plantagen-Besitzer aus dem „goldenen Tal“ der süssen und saftigen Frucht transportierten ihre Schätze nach Palma. Die technisch-praktikabelste Streckenführung brachte Bunyola eine Bahnstation. Die Zugverbindung erleichterte schalgartig der Besitzern der Possesionen in der Umgebung die Transporte ihrer Güter auf dem Schienenwege. Ihr ohnehin bereits beträchtlicher Reichtum vergrösserte sich durch die damfenden Stahlrösser, die die Maxime, Zeit ist Gold, damals schon zu ungeahnten Ufern führte. Als der deutsche Siemenskonzern die Strecke später auch noch elektrifizierte, war der Warenverkehr der Possesionen im modernen Takt garantiert.

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