Krippen – die Weihnachtgeschichte in Miniatur

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Krippen gehörten schon immer zu Weihnachten wie der Tannenbaum und der Weihnachtsmann. Vor allem für Kinder waren und sind sie eine Attraktion. Noch vor der allgemeinen Elektrifizierung gaben sie im Schein der Kerzen den Hausbewohnern in den langen, dunklen Wintermonaten ein Gefühl der Geborgenheit. Es bedurfte eines kulturellen Höhepunktes zu einer Jahreszeit, in der die Nächte so lang wie die Tage sind. Mit der Gestaltung des Weihnachtfestes versuchte man viele Jahrhunderte lang ein wenig Licht und Farbe in das Grau des Alltags einzuweben. Deshalb hat sich weihnachtliches Brauchtum vor allem im Norden entwickelt, in denen die Winter hart sind, in Gegenden mit mildem Klima, wie z.B. den Balearen, entstanden die Weihnachtsbräuche eher zögernd.

Krippen waren in Kirchen aufgestellt. Den Kindern wurden dadurch die sich ewig hinziehenden liturgischen Feierligkeiten kurzweiliger. Der Blick zur Krippe brachte Abwechslung. Aber die kleinen Figuren mit Maria und Josef, dem Kind, Ochs und dem Esel waren auch in den Häusern der mallorquinischen Familien anzutreffen. Man besuchte an den Weihnachtsfeiertagen die Anverwandten mit der Frage: „Heu fet Betlem?“ Habt Ihr die Krippe schon aufgestellt?

Betlem nennt man die Krippe im Katalanischen. Das Wort ist eine Vereinfachung des Namens der Stadt Bethlehem, den Ort, um den sich das ganze Mysterium der Weihnachtsgeschichte rankt.

Lukas, der Evangelist, beginnt seine Schilderung der Geburt Christi wie eine pastorale Symphonie von Hirten, Herden und Futterkrippe. Doch wann das wirklich geschehen ist, musste sich schon oft einer historischen Prüfung unterziehen lassen und die Ouvertüre zu der Weihnachtsgeschichte hat dem nicht standgehalten. Lukas berichtet, dass der Sohn Marias und Josefs zur Zeit des grossen Herodes geboren worden war. Das wäre spätestens vier Jahre vor der christlichen Zeitrechnung gewesen. Was sich aber „in jenen Tagen ergab, als ein Erlass vom Kaiser Augustus ausging“, wie es bei Lukas heisst, kann im besten Fall erst zehn Jahre später gewesen sein. Die Historiker haben sich dann geeinigt, dass die Volkszählung entweder im Jahre 7 vor oder 6 Jahre nach der Geburt des Kindes von Bethlehem stattgefunden hat. Die Chronologie ächzt in allen Fugen. Auch mit der Volkszählung ist das so eine Sache. Dies um so mehr als die Römer viel zu tüchtige Verwalter waren, als dass sie den Zensus so umständlich durchgeführt hätten. Sie waren an einer unruhestiftenden Massenwanderung ihrer Untertanen nicht interessiert. Doch die Weihnachtsgeschichte erzählt es. Maria und Josef von Galiläa aus der Stadt Nazareth zogen nach Judäa in die Stadt Davids, die heute Bethlehem heisst.

Es gibt kaum eine Geschichte, kein Märchen, keine Legende, die so perfekt ist, wie die Weihnachtsgeschichte. Diese Virtuosität war auch notwendig, denn sonst wäre die Erzählung als eine der kurzlebigen Episoden des Altertums schnell in die Vergangenheit geraten. Es ist eine Geschichte voller Symbolik wie sie besser nicht hätte geschrieben werden können. Der gewaltige Engelsgesang, der nachher wie nicht gewesen war, die Suche nach der Herberge, die um alles in der Welt nicht gefunden werden durfte, denn: das Kind musste in einer Höhle, in einem Stall geboren werden, sonst hätte es keine Hirten gegeben und auch keine Schafe. Am Himmel erschien ein Komet und zeigte den Weg – ein wichtiger dramaturgischer Beitrag. Denn in der Zeit der Weihnachtsgeschichte glaubte man an die geheimnissvolle Kraft der Sterne. Es gibt kaum ein Symbol, das in der Weihnachtgeschichte fehlt. Da existieren auch noch die frommen Heiligen Drei Könige, von denen keiner ein Wort der Zeugenschaft überliefert hat. Caspar, Melchior und Balthasar – einer jung, einer alt, einer farbig. Sie bringen Weihrauch, Gold und Myrrhe. Weihrauch als Symbol der übersinnlichen Kräfte, Gold für Reichtum, Myrrhe für Gesundheit. Das alles ist untauglich als historische Belege aber als Zeichen so mystisch und gross, dass die Menschen auch noch nach Jahrtausenden davon angerührt sind.

Als der Heilige Hironimus 386 seinen Wohnsitz in Bethlehem aufschlug und in einer Kuppel die ganze Geschichte der Ankunft Jesu nachgestaltete, schuf er wohl damit das Vorbild für spätere Krippen. Die Verehrung der Geburtskrippe kam dann aus Palästina nach Rom. Ob dort ihr Siegeszug um die Welt begann, ist nicht nachweisbar. Denn zunächst einmal wurden in die Kirchen in der Weihnachtszeit Krippenspiele angeführt. Der Ursprung des klassischen volkstümlichen Krippenaufbaus wird auch gerne mit einer Legende des Franz von Assissi in Verbindung gebracht. Dieser baute 1223 mitten im Walde von Greccio eine mit Heu gefüllte Krippe auf, stellte den Ochs und den Esel dazu und predigte vor diesem anschaulich lebenden Bild seiner Gemeinde das Weihnachtsevangelium.

Das Barock war die Blütezeit der napolitanischen Krippenwerkstätten, die ihre Gestalten aus der Laienhaftigkeit zur grossen Kunst erhoben. Die schöpferischen Meister modellierten die Köpfe und Hände der Figuren in Ton. Die Drantgestelle wurden dann auf das sorgfältigste und kostbarste bekleidet. Oft schneiderten Nonnen die Kleider der Krippenfiguren, denn in den Paramentenwerkstätten der Klöster gab es genügend Reste von Brokat, Damast, Samt und Seide sowie die dazugehörenden Silber- und Goldborten, Perlen- und Silberfäden.

Bühnenartige Krippen mit effektvollem Aufbau fanden einen bedeutenden Niederschlag in der Volkskunst. So auch bei den mallorquinischen Künstlern, von denen sich die meisten am Vorbild der neapolitanischen Krippen orientierten. Viele der Geburtsszenen werden in Mauern aus Natursteinen versetzt, Höhlen und Casitas sind ebenfalls Zufluchtsorte. Die frommen Volkskünstler, die Jahr für Jahr Krippen und deren Krippen herstellten, kümmerten sich wenig um die realistische Darstellung der Szene um die Futterkrippe. Sie schnitzten in ihrer Originalität mit viel Phantasie munter drauf los. Ihren Figuren wurden Kleider aus „robes de lengües“ genäht. Sie fragten sich nie, wie es wohl zu Stunde null in Bethlehem ausgesehen haben mag. Man versetzte die idyllische Geburtsszene einfach in die Umgebung, die den handwerklichen Schnitzern und Töpfern vertraut war.

Heute haben sich die Banken der Krippen angenommen, was früher in Kirchen, Küchen und Kinderzimmern stand, befindet sich jetzt in der Nähe des Tresors. Diese Schatzkammern haben für viele ebenfalls eine magische Anziehungskraft. Die meisten Besucher sind Kinder, sie haben schulfrei bekommen und das macht für sie die eher statische Szene der Geburt Jesu wieder attraktiv. Auf Mallorca sagte man immer schon

Es betlem, es foc i la mar
Sempre tenen que mirar

Bei der Krippe, dem Feuer und dem Meer
Kann man gar nicht aufhören, hinzusehn.

(Nachricht 22.12.2010)
Jedes Jahr ist es ein Ereignis, wenn in Palma die Weihnachtsbeleuchtung angezündet wird – diesmal am 4. Dezember 2009. 130.000 Glühbirnen gehen an und Groß und Klein freut sich darüber.

Nächste Station Richtung Weihnachten sind auf Mallorca die Krippenausstellungen. Ob in Klöstern, Museen, Ausstellungsräumen oder Patios, überall sind Krippenausstellungen zu besuchen. Tradition haben die Weihnachtskrippen vor allem bei den Kapuzinermönchen in Palma – zu sehen vom 14. Dezember bis zum 6. Januar – oder die Krippe in Misericordia oder in der Eingangshalle vom Rathaus Palma.

Die grosse Krippe des Palau March, die früher nur an Weihnachten zu sehen werden konnte, kann man jetzt als permanenten Teil der Ausstellung das ganze Jahr über bewundern.

Weitere Ausstellungen in Palma:

Rathaus Palma
Plaça Cort, 1
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 9-21 Uhr, So u. Feiertage 10-20 Uhr, bis 9. Januar

Markthalle Sta. Catalina
Plaça Navegación
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 8-15 Uhr, bis 7. Januar

Can Marques
Zanglada, 2a
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10-18 Uhr, bis 6. Januar

Krippen, Palma de Mallorca

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