Arabische Bäder in Palma

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Die Seele baumeln zu lassen, mitten in der lauten Stadt abtauchen: auch das gibt es in Palma. Grün erfreut die Augen, lässt den Blick ruhen und eröffnet eine ganz andere Welt: die Welt der arabischen Eroberer, die im X. Jahrhundert Mallorca für sich entdeckten. Das Wasser spielte auf Mallorca immer eine besondere Rolle. Zwar umgibt die Insel ein ganzes Meer von Flüssigkeit, doch es Salzwasser und damit nicht trinkbar. Deshalb ist auf der Insel selbst Süsswasser ein rares Gut. Die Quellen führen zwar im Winter meistens eine ausreichende Menge an Wasser und auch die Stauseen sind dann gefüllt, aber in der Sommermonaten empfiehlt es sich, mit dem flüssigen Element sparsam umzugehen. Bewässerung von Gärten und Golfanlagen genauso wie Besucherströme sorgen dafür, dass die Wasserreservoire schnell verbraucht werden.

Den arabischen Einwanderen muss die Insel mit ihren Bergen und der üppigen Vegetation wie ein Paradies vorgekommen sein, als sie das Land im X. Jahrhundert entdeckt haben. Überall wucherten Büsche, Bäume und Pflanzen, ganz so wie hier im Garten der Arabischen Bäder. Ganz im Gegensatz zu ihrer Heimat, deren Landschaft sich meist trocken, heiss und staubig präsentierte, also eher von der unfreundlichen Seite. Nicht umsonst galt Wasser damals als kostbares Gut, das sogar in Gold aufgewogen wurde. Das Nass übte schon immer eine Anziehungskraft auf die Mauren aus. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie auch auf Mallorca diesem feuchten Element nachspürten und die Entwicklung in diesem Bereich weit vorantrieben. So legten sie Bewässerungssysteme für Orangen, Zitronen, Pfirsich- und Aprikosenanpflanzungen an. Die Mauren gelten als die Schöpfer der Gartenanlagen von Alfabia und Raixa. Sie nutzten Quellen und Wasserreservoirs aber nicht nur in der Landwirtschaft. Das Wasser war für sie auch eine Quelle der Entspannung und der rituellen Reinigung: das zeigt sich in den Baños Árabes, den arabischen Bädern von Palma.

Stumm erzählen die Säulen von den alten Zeiten, als die Anlage noch von den Erbauern benutzt wurde. Alte Schriften berichten darüber, dass das Bad in der Mitte des X. Jahrhunderts auf römischen Mauern errichtet wurde. Die Mauren entwickelten das, was sie auf der Insel vorfanden, weiter oder bauten es für eigene Bedürfnisse um. So muss es auch mit den Bädern unweit der Kathedrale gewesen sein. Die Räume dienten aber nicht nur dazu, sich vom Schmutz und Staub der Stadt zu reinigen, sie waren so wie es noch heute im Orient zu erleben ist, ein regelrechter Treffpunkt. Hier wurde geredet, diskutiert, geschimpft und gelacht. Die Banys Arabs waren ein Ort, an dem sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig gereinigt wurde. Dazu trug auch die entspannende Athmosphäre bei, von der ein Hauch noch heute zu spüren ist. Mitten in der lärmenden Stadt findet der Besucher hier einen Ort der Ruhe und Besinnlichkeit.

Wie Bäume wachsen die Pfeile aus der Erde und strecken sich der Decke entgegen, die hier, in den Bädern, wie ein Himmelsgewölbe mit riesigen Sternen erscheinen. Zwölf Säulen tragen die gewölbte Decke, in der sich runde Öffnungen als Oberlichter befinden, so war immer für eine Austausch von warmer und kalter Luft gesorgt.

Das Bad als Treffpunkt von Frauen und Männern, die schon vor Hunderten von Jahren erkannt haben, dass als Ausgleich zur Arbeit auch Entspannung notwendig ist. Und die fanden sie hier – natürlich streng voneinander getrennt. Es ist übermittelt, dass es zwei Bäder gab. Das sogenannte „calendarium“ war eine Art Dampfbad, das „tepidarium“ eine Art Eisraum.

Dunkle Mauern, die von neugierigen Blicken schützten, umfingen die Badenden. Das warme Sonnenlicht, das durch die kreisrunden Öffnungen in der Decke entfiel, beschien die Gäste und machte im Dampfbad perfekt. Die ehemaligen Wasserbecken sind heute trocken, aber das Gewölbe malt immer noch ein Bild davon, wie das Leben Mitte des X. Jahrhunderts ausgesehen haben mag.

Um die Bäder mit dem kostbaren flüssigen Gut zu versorgen, nutzten die Mauren damals eine Quelle, die acht Kilometer weit mittels eines ausgeklügeltes Wasserlaufsystems zu den Banys arabs geleitet wurde.

Damals wie heute bedeutet ein Besuch in den Arabischen Bädern ein Abtauchen in eine andere Welt, in eine andere Zeit. Das Geschehen draussen scheint kilometerweit entfernt. Doch zurück in die Realität gekehrt, merkt der Besucher, dass der Aufenthalt im Bad seinen Zweck erfüllt hat: man verlässt die arabischen Bäder körperlich und geistig belebt und erfrischt.

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