Consell, still ausser sonntags

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In Consell wohnen rund 2300 Einwohner, die Consellers genannt werden. Der Ort ist mit nur 13 Quadratkilometer Fläche die viertkleinste Gemeinde Mallorcas. Schon in der römischen Besatzungs-Zeit traf sich dor der Camí de Muro, der Richtung Osten führt, mit der Strasse Palma – Pollensa. Diese Nord/Süd- Verbindung stellte eine wichtige Achse für den Verkehr mit Karren und Pferden dar. In den Ortschaften, die bereits in der damaligen Zeit an den beiden Seiten der bedeutenden Verkehrsverbindungen lagen, wurde reger Handel betrieben. Eine davon war Consell. Während der arabischen Epoche stieg der Bedarf an Wegen zum Transport von Waren und Gütern nochmals erheblich an. So entstand der Camí des Raiguer, der nach Westen führt. Die industrielle Revolution brachte auch Consell ein dampfendes Ross ins Haus: 1875 wurde die Bahnstation Alaró – Consell eröffnet. Bis zum Jahre 1925 gehörte das kleine Dorf noch zu Alaró, obwohl beide Gemeinden 5km voneinander entfernt sind. Viele Consellers haben diese Vereinnahmung bis heute noch nicht überwunden.

Der Name Consell stammt vom lateinischen consilium ab. Die römischen Besatzer beseichneten so die Ratsversammlungen, die in den Provinzen abgehalten wurden. Manche Historiker vertreten die Theorie, dass die hohen römischen Militärs in dem strategisch geschützten Ort tagten. In dem Ortsverzeichnis, das die christlichen Eroberer im Jahre 1232 angelegt haben, taucht erstmals der Name Conxell auf.

Von den mächtigen Bergrücken der Serra de Tramuntana vor den rauhen Nordwinden geschützt, herrscht in Consell ein mildes Klima. Die Gemeinde war von Anfang an ein Zentrum landwirtschaftlicher Produktion. Die Wochenmärkte von Inca, Alaró und Santa María waren leicht erreichbar. Es gibt noch heute mitten in Consell Gemüsegärten und nur wenige Meter von der etwas trist erscheinenden Hauptstrasse, die das Dorf durchschneidet, weiden noch friedlich Schafe mit ihren Lämmern.

Wahrscheinlich wurden bereits während Zeir der römischen Legionäre in Consell die ersten Wienreben gepflanzt. Im 15. Jahrhundert soll es auf dem Gemeindegelände von Consell die meisten Reben von ganz Mallorca gegeben haben. Im 18. Jahrhundert wurde die Possession der Familie Ribes erbaut. Dieses Landgut produzierte erlesenste Weine, ehe im 19. Jahrhundert der Bestand der Weinreben durch eine Reblaus-Epidemie vernichtet wurde. Erst um die letzte Jahrhundertwende hatte sich das Gut wieder aus dem Tief erholt. Der Wein, der heute im Ort agepflanzt und in der Bodega von Can Ribes gekeltert wird, kommt mit dem Namen „Denominació d’Origen Binissalem“ in den Handel. Dies ist eine Qualitätsbezeichnung, die eine Kontrolle der Rebsorten und des Herkunftsgebietes garantiert. Die Winzer der Comarca Binissalem wollen mit diesem Gütsiegel und guten mallorquinischen Tropfen wieder den Ruhm erreichen, den sie im 19. Jahrhundert auf dem europäischen Kontinent genossen haben.

Der Schutzpatron des Dorfes und der Kirche ist der Sant Bartolomé. Das alljährlich Fest der Gemeinde wird am 24. August, dem Namenstag des Sant Bartolomé, und den darauffolgenden Tagen und spätsommerlichen Nächtne ausgiebigst gefeiert. An der Stelle der heutigen Kirche stand zunächst nur ein kleines Oratorium. Consell gehörte dem Kirchensprengel von Alaró an. Durch eine Spende der Familie Ribes konnten bestehende Gebäude Anfang des Jahrhunderts vergrössert werden. Zur gleichen Zeit wurde auch die anliegende Rectoria, die Dorfpfarrei erbaut.

Im Jahre 1890 gründeten die Bebrüder Campins die gleichnamige Schmiede. Die Hufschmiede waren zur Zeit, als der Verkehr auf den Strassen noch von einer Pferdestärke bestimmt wurde, Zentrum des Dorfes. Die Rösser wurden zum Beschlagen am Eingang festgebunden, die Kutschen sowie Karren bekamen neue Deichseln und die Speichen der Räder wurden ausgebessert. Heute ist der Betrieb von Guillem Campins vor allem für seine messer genannt werden. Auf dem Amboss wird wie in alten Zeiten gehämmert und bei Rotglut Eisen geformt. Die Pageses kommen gerne nach Consell und kaufen sich dort das traditionelle Handwerkszeug für die Landarbeit: Sicheln, Hacken, Spezialmesser zur Veredelung von Bäumen und zum Beschneiden der Palmen.

Doch Consell ist nicht nur wegen seinen Schmiedearbeiten bekanntgeworden. In dem kleinen Dorf gab es schon immer geschickte Möbelschreiner mit Gespür für Material und Form. Viele der traditionellen Möbel, die heute in den Antiquitätengeschäften teuer gehandelt werden, sind in Consell geschreinert worden. Parallel zu den Schreinerwerkstätten begannen die Consellers in den 20er Jahren mit dem Holzimport aus aller Welt. In vielen Häusern der Insel spielen die Holzbalken aus den grossen Lagern von Consell eine tragende Rolle.

Consell erlangte seine Erwähnung in den Reiseführern erst durch den Flohmarkt, der seit fast 5 Jahren jeden Sonntag dort stattfindet. Tausende von Besuchern kommen aus allen Teilen der Insel, um über den Trödelmarkt zu schlendern Kitsch und Kunst, Altes und Neues, Brauchbares und Staubfänger, für jeden ist immer irgendetwas dabei.

Der Flohmarkt hat wieder Leben in das stille Dorf gebracht. Er erinnert in seiner multikulturellen Art ein wenig an die alten Zeiten, als sich die römischen Strassen in Consell kreuzten und es zu einem kleinen Handelszentrum gemacht haben.

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