Campos, Es Trenc und Ses Salines

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Mit der Gründung von Campos im Jahre 1300 begann bei den Campaners eine rege landwirtschaftliche Aktivität. Die ertragreiche Ernte von den Feldern, aus ihren Gärten, Patios und den Huertas war sicherlich durch die klimatischen Bedingungen begünstigt. Campos liegt zwar in Meresnähe, jedoch nicht an der Küste. Die Felder befinden sich in der Ebene und sind leicht zu bearbeiten. Trotz seiner Salzhaltigkeit ist der Boden fruchtbar. Als besonders wohlschmeckend und bekannt gelten seit jeher die Kapern. Campos war auch in extremen Dürrezeiten nicht von Ernteausfällen betroffen. Während die Nachbarorte unter schweren Jahren mit extremer Trockenheit zu leiden hatten, wehte in dem Ort immer eine kühle Meeresbrise. Sie verschonte die Campaners auch dann, als auf Mallorca vor Jahrhunderten die Pest wütete.

Die Kirche und auch die meisten Häuser der Gemeinde wurden aus marès, einem Sandstein, erbaut. Die Felsblöcke stammten aus dem benachbarten unterirdischen Steinbruch, Son Garrau. Dieser Sandstein enthält Eisen-Elemente, die ihn im Laufe der Zeit ins Rötliche verfärben.

Im Jahre 1892 schrieb der Stadtchronist Don Francisco Talladas die Geschichte der Region nieder. Das historische Werk gipfelte in der Behauptung, dass die Wurzeln des antiken Palmas zwischen dem heutigen Campos und der Küste, el Trench, zu suchen wären. Zwischen dem Kurhaus Sant Joan de la Font Santa und Campos liegt, umgeben un Feldern, das Landgut „El Palmer“. Diese Possession steht im Mittelpunkt der historischen Spekulationen über das römische Palmaria. Von dort aus hat sich nachweislich die römische Kultur ausgebreitet.

Talladas bezog sich auch auf den römichen Historiker Plinius, der über Palman im gleichen Zusammenhang wir über Pollentian, dem heutigen Alcúdia, berichtete. Der Hafen von Palmer tauchte zudem in den Handschriften von Titus Livius auf. Seine Beschreibung des grandiosen Ports passt aber nicht zum Hafen der späteren Stadt Palma. Der Geschichtsscheriber aus dem heutigen Padua erwähnte unter anderem die Lagune Salobar vor der Stadt Palmer. Die Eroberung der Gebiete um Campos durch Jaume I erfolgte widerstandslos und unblutig. Das Gebiet im Südosten der Insel ging an Nuño Sanz. Der Hochadlige verteilte die Ernteerträge unter seinem Gefolge auf und verkaufte das Territorium an die Soldaten und Siedler von der Iberischen Halbinsel.

Das „Oratorio Rural“ ist eine kleine Kirche auf dem Land, die heute den Namen des Heiligen Blasius trägt. Sie ist schon im 13.Jahrhunder in die päpstliche Bulle eingetragen worden und sollte zunächst die Dorfkirche von Campos sein.

Mit dem Bau der stattliche Kirche Sant Julian wurde Anfang des 16. Jahrhunderts begonnen. Es mussten erst 100Jahre vergehen, ehe sie Fertiggestellt und dem Sant Julian geweiht wurde. In einer der Kapellen findet man ein Gemälde, das dem sevillanischen Maler Murillo, der ebenfalls im 16. Jahrhundert lebte, zugeschrieben wird. Murillos Bilder sind von den wiechen Nuancierungen der Tonwerte geprägt. Selbst im Halbdunkeln schimmern seine Bilder farbig und leuchtend. Licht und Schatten, Farbintervalle und Akkorde ergeben eine einzigartige Bildkomposition. Um 1643 malte Murillo den berühmten „Trauben und Melonenesser“, der zu den Schätzen der Alten Pinakothek in München gehört.

Doch Campos kam wegen den vielen Feldern zu seinem Namen. Für deren Bewässerung gab es reichlich Brunnen. Je tiefer die Pozos sind aus denen das Wasser auf die Weiden gepumpt wird, desto grösser ist der Anteil von salzhaltigem Meerwasser. Als Futterpflanze für die Milchkühe hat sich die Alfalfa, eine Luzernenart, bewährt. Sie trägt den botanischen Namen medicágo sativa und gehört zur Gattung der Schmetterlingsblütler. Da sich die Pflahlwurzel der Luzerne oft mehr als drei Meter tief in den Boden gräbt, liefert sie auch auf trockenem Untergrund noch gute Erträge. Sie ist gegen den Salzgehalt des Wassers resistent und ermöglicht die Milchwirtschaft. Wann genau in diesem Jahrhundert die erste Kuh aus Schleswig Holstein nach Campos kam, ist nicht festzustellen. Sicher ist dagegen, dass sie ein richtiger Hit gewesen sein muss. Die schwarzweiss gefleckten, holsteinisch-friesischen Kühe erwiesen sich als ungemein fruchtbar. Heute ist die Milchwirtschaft in Campos marode un ohne Zuschüsse aus den EU-Töpfen nicht mehr überlebenfähig. Milch von der spanischen Halbinsel wird importiert, weil sie kostengünstiger produziert und deshalb billiger verkauft werden kann. Selbst Milchprodukte aus dem bayerischen Weihenstephan finden sich unterdessen in manchen Feinkostabteilungen der grossen Einkaufzentren. Im ofganisierten Chaos von Milchquoten und Subventionen der EU-Agrar-Komission bleiben die Bauern von Campos auf ihren vollen Kannen sitzen.

Das Kurhaus von Sant Joan de La Font Santa ist derzeit noch in den Monaten Mai bis Oktober geöffnet. Der Alchibe, der zum Anwesen gehört und das erste Stadtwappen von Campos trägt, ist gut erhalten. Doch berühmt wurde das Sanatorium, das durchaus an Marienbad und Karlsbad erinnert, mit seinen schwefelhaltigen Thermalquellen. Mit der stilvollen Schlichtheit des alten Heilbads wird es wahrscheinlich bald ein Ende haben. Grossinvestoren aus Deutschland wollen eine Rehaklinik mit Well- und Fitnessbetrieb errichten.

Das Sumpfgebiet Salobrar ist Tel der Salines de Levante, in denen jährlich etwa 10000 Tonnen Salz gewonnen werden. In einfachen Becken, den Salzgärten, trocknet das Wasser ein. So entsteht das normale Tafelsalz, aber auch das grobe Salz, das die Mallorcaquiner für die Sobrasadas und für andere hausgemachte Wurstwaren verwenden. Dieses Meersalz wird noch immer von Grossverbrauchern in Fässern gekauft. Es gibt aber auch Packungen mit einem oder fünf Kilogramm.

Wenn man an den grossen Salzbergen, deren Formen an Gletscher und ewiges Eis erinnern, vorbei in Richtung zum Strand Es Trenc fährt, beginnen die Lagunen des Salobrar, die nicht nur für Ornithologen paradiesesch sind. Seine Fauna und Flora sin eng verwandt mit der Albufera zwischen Alcúdia und Ca’n Picafort. Doch im Gegensatz zu der eher hügeligen Albufera, ist der Salobrar flach. Wenn Sie ihn an Tagen besuchen, an denen Sie sich nicht durch die Staus nach Es Trend quälen müssen, bietet sich Ihnen ein Ort voller Ruhe. Wer in den Wintermonaten zur Zeit der untergehenden Sonne in den Lagunen des Salobrar verweilt, braucht wenig Phantasie, um sich vorstellen zu können, dass hier einst die langbeinigen Flamingos heimisch waren. Heute sind dort Kormorane, Störche, Fisch- und Purpurreiher, Seestrand- sowie Flussuferläufer vorzufinden. Auch verschiedene Entearten tummeln sich in den Sümpfen.

Die acht Kilometer langen Strände Es Trenc, Sa Ràpita und Ses Covetes gehören zur Gemeinde Campos. Hier wollten einst Investoren eine Luxustourismusanlage hochziehen. Durch den massiven Wiederstand der Bevölkerung und der Umweltgruppe GOB konnte dieses Ansinnen jedoch verhindert werden. Es Trenc war 1983 noch der Inbegriff vom unbebauten Naturstand mit kristallklarem Wasser und intakter Dünenlandschaft. Heute registriert die zwölfköpfige Brigade der Policía Municipal an Sommerwochenenden bis zu 30000 Menschen. Eisbuden und Bars, Sonnenschirmeverleiher und Parkplatzwächter unterhalten eine Art der touristischen Infrastruktur, die keinerlei übertriebene Einsamkeitsgefühle mehr aufkommen lässt. Es wird aber weiterhin gebaut und betoniert. Nahe dem kleinen Fischerort Sa Ràpita, mit Panoramablick auf die Bucht von Es Trenc, entsteht ein neuer Golfplatz nebst Chalets der gehobenen Preisklasse. An der Strasse von Campos nach Colonia de Sant Jordi ist ein Polo-Feld mit Luxushotel und Villen im englischen Stil geplant.

In Campos leben fast 7000 Menschen. Der Run auf seine Strände und die rückläufige Milchwirtschaft haben das Dorf verändert. Zwar gibt es dort schon immer eine der besten Bäckereien der Insel, Ca’n Pomar, und seit vielen Jahren das Restaurant Sa Canova, in dem mallorquinische Küche von Feinsten serviert wird. Doch die Struktur der Gemeinde erlebt, wie manche finden, einen schmerzvollen Umbruch. Auf dem Weg zum Strand halten viele Besucher im Ort und kaufen ein. So sind unzählige kleine Läden und Werkstätten entstanden, die Leben ind Dorf bringen. Doch auch ihre Zukunft ist in Gefahr. Die Autopista de Levant soll den Verkehr umleiten. Und existiert in Campos eine breite Gegnerschaft gegen das Strassenbau-Vorhaben der Regierung.

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