Porreres, die Aprikosenmetropole

264_porreres_de.mp4_000071600
Porreres liegt im Süden des Pla de Mallorca. Seine 4.500 Einwohner leben auf eine Fläche von 86 km2, womit die Gemeinde nach Algaida die zweitgrösste innerhalb der Balearen ist. Das Pla galt schon immer als die Kornkammer Mallorcas. Sämtliche Invasoren, die die Insel heimgesucht haben, benutzten die fruchtbare Ebene für den Anbau von landwirtschaftlichen Produkten. Das durch Ablagerungen von Eisenoxid bedingte Rot der tonigen Erde verleiht der Landschaft eine warme Atmosphäre. Schon frühzeitig hatten die Menschen den Ertragsreichtum der matt bis leuchtendroten Erde erkannt. Sie praktizierten ausgewogene Anbaumethoden und versuchten immer, die Artenvielfalt zu erhalten. So bauten sie verschiedene Getreidesorten an. Durch Fruchtwechsel sowie gezieltes Jäten gelang es ihnen, die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. Noch heute ist im Pla der Getreideanbau mit Mandel-, Johannisbrot- und Feigenanbau kombiniert.

Porreres hat sich unterdessen auch als Weinanbaugebiet einen Namen gemacht. Doch seit die Mauren Anfang der X. Jahrhunderts die Aprikosenfrucht auf die Insel in grossem Stil gepflanzt haben, ist Porreres zum Zentrum der „albarcoc“ geworden. Die Steinobstart stammt ursprünglich aus Zentral- und Ostasien. Auch den Römern war die Aprikose nicht unbekannt. Doch den Herren des Weltreiches war bei ihrem Imperiumgehabe mehr nach grösseren Früchten zumute. Dazu zählten sie die Pfirsiche, die auf den silbernen Obsttellern ein besseres Arrangement als die mickrigen Aprikosen abgaben. Deswegen bezeichneten die Weltstädter von Tiber die samtig behaarte Marille auch nur verächtlich als frühreifen Pfirsich, der in seiner Entwicklung stehengeblieben ist und als erlesener Wohlgenuss nicht in Frage kommt.

Wie so oft auf Mallorca beginnt die detaillierte Geschichtsbeschreibung auch bei Porreres erst mit der christlichen Eroberung. Die prähistorische Epoche hat in der Gemeinde einige Spuren in Form von Talaiots hinterlassen. Die römische Herrschaft ist durch im XIX. Jahrhundert entdeckte Steine belegt. In der arabischen Zeit gehörte das Dorf zum Distrikt Manqur, zu dem auch Manacor, Felanitx und Teile der heutigen Orte Campos sowie Santanyi gezählt wurden. Zeugnisse der Präsenz der Mauren sind die noch existierenden öffentlichen Brunnen. Das die heutigen Aprikosenanlagen im Kern schon von den Arabern angelegt wurden, war den abendländischen Historikern keine Zeile wert.
König Jaime I übertrug dem Grafen Nuño Sanç als seinem treuen Vasallen die Ländereien von Porreres. Nach dessen Tod wurde König Jaume II der neue Eigentümer, der dann im Jahr 1300 den gesamten Grund und Boden als Gemeinde deklarierte. Der Name Porreres stammt von dem Ritter Guillem de Porrera, der an der Eroberung Mallorcas beteiligt war.

Porreres bietet dem Besucher mehrere Sehenswürdigkeiten. Inmitten des Ortskerns liegt die mächtige Pfarrkirche Mare de Deu de la Consolació. Das bereits 1277 bekannte Gotteshaus wurde im XVII. Jahrhundert erneut und um den seitlich angebauten Glockenturm erweitert. Das Bogengewölbe in ihrem Inneren hat die grösste Spannweite seiner Art auf der Insel. In der Sakristei wird ein wertvoller Kirchenschatz aufbewahrt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.