Markthalle am Plaza Olivar

143 Fischstände zählt der Mercat Olivar Palmas grösste Markthalle auf dem gleichnamigen Platz Olivar. Auch wenn die Mallorquiner keine grossen Fischfreunde sind und die Meerestiere eher als Würze und Zutat genutzen, hier gibt es alles, was das Meer und die Netze der Fischer ans Land werfen. Mächtige Zackenbarsche, glänzende rote und rosa Gambas, lebende Langusten von den Buchten des Nordens und Menorcas.

Der Mercat von Olivar ist der Bauch von Palma. So werden hier die Märkte genannt. Nichts, was es hier nicht gibt. Wo einst das Kloster stand, wurden die Markthallen 1941 von dem Architekten Gabriel Alomar gebaut. Heute ist der Markt ein Treffpunkt für Hausfrauen, Singles und Geschäftsleute gleichermassen. Ein paar Treppen rauf, an der steinernen Marktfrau vorbei und schon glaubt man sich mitten in den „huertas“, den Obst- und Gemüsegärten Spaniens zu sein. Die Stände biegen sich unter der Last von Salaten, Kohlköpfen, Auberginen, Zucchinis, Zwieben und mehr und mehr. Dort liegen Hülsenfrüchten in prallen Körben, hier hängen die Tomaten in Zöpfen von der Decke. Neben Zitronen und Orangen kennen die mallorquinischen Bauer auch Tropenfrüchte, so leuchten hier sogar einheimische Kiwis, Avocados, sowie Ananas und Bananen.

Per Rolltreppe geht es in den obersten Stock. Hier bietet sich eine wahre Inszenierung an nackten schmackhaften Tatsachen. Hier liegen in zarter Deko-Pose Kücken- oder Rebkuhn, Fasan oder Täubchen. Hier Schweine, dort feinste Rinderlende. Hier hängen ganze Spanferkel, daneben Lamminnereien. Nicht zu übersehen prangen hier Sobrassadas, Schweinswürste oder die Butifara. Und wer den Korb nicht mehr tragen kann, der macht kurz Tapas-Pause und gesellt sich zum Schwätzchen zu Händlern und Markbesuchern an die Bar Teodoro. Josefina strahlt und serviert ihren Gästen einen „tallat“, einen kleinen Michkaffee oder Sherry mit Tapas. Den Bar Teodoro gibt es seit vielen Jahren – Josefina steht hier seit sie 24 Jahre alt ist.

Wer zu Toresschluss um 14 Uhr aus den Hallen des Mercat Olivar wandert, und beim Einkaufen zwischen Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch die Zeit vergessen hat, der hat diesen Markt wirklich erlebt.

Markthalle am Plaza Olivar

Montuïri Impressionen

30 km von Palma entfernt, direkt im Zentrum Mallorcas liegt Montuiri. Eine Extrareise ist der ruhige und ziemlich original erhaltene Ort mit 2.500 Einwohnern kaum wert, obwohl auch hier einige Sehenswürdigkeiten zu finden sind: die Pfarrkirche Sant Bartomeu aus dem 14. Jahrhundert genauso wie die vielen alten Windmühlen, die um die Ortschaft herum verstreut liegen und davon zeugen, daß hier viel Getreide gemahlen wurde. Der schlechte Zustand der ehemaligen Windmühlen hier verbessert sich langsam teilweise dank der lokalen Politik, die seit einigen Jahren durch verschiedene Organisationen ihre Unterstützung bei den Renovierungsarbeiten leistet. Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, schaut sich unseren Beitrag Mallorcas Mühlen an.

Der Markt findet in Montuiri Montag vormittags statt. Die wichtigsten Feste sind die Romeria am ersten Dienstag nach Ostern, Sommerfeste am 15. August und Procesión del Corpus nach Christi Himmelfahrt. San Bartolome, der Schutzpatron Montuiris, wird gross am 24. August jedes Jahr gefeiert.

Bei allen Festlichkeiten, die in Montuiri stattfinden, fehlen nie die “Cossiers”, die farbprächtigen Tänzer, die aus Montuiri sogar stammen sollen.

Binissalem, DIE Weinstadt

Noch heute verraten Ortsnamen wie Biniali, Bunyola oder Banyalbufar die Gründung in arabischer Zeit. In Binissalem haben die Sprachforscher 2 Deutungen zugelassen: Banir-salem, Söhne des Friedens oder auch Banir-salim, Söhne des Salims.

Nach der christlichen Eroberung im Jahre 1129 teilte König Jaume I Mallorca unter seinen Gefolgsleuten und Geldgebern auf. Sein Sohn, Jaume II, gründete 1276 das Königsreich Mallorca und beauftragte 2 Grossgrundbesitzer, die weit zerstreut lebende Bevölkerung in Dörfer zusammen zu fassen. So wird die ofizielle Gründung von Binissalem dem Jahre 1300 zugeschrieben.
Schon im Jahr 1248 wurde eine Stadtpfarrei errichtet. Das Fundament der heutigen Kirche stammt aus dem 15. Jahrundert. Die bis heute andauernde Dominanz der Kirche in dem Gesamtbild Binissalems vollzieht sich in einer Art und Weise, die sich ihr Erbauer, der Architekt Bernat Febrer, und seine Auftraggeber auch nicht mit ihrem Glauben an die Ewigkeit in ihren Träumen vorstellen konnten.

Die ca. 5.000 Bewohner grosse Gemeinde Binissalem bildet mit 10 anderen Gemeinden die Mancomunidad Raiguer. Dieser komunale Verbund, zu dem auch Inca als die grösste Stadt gehört, betreibt vor allem wirtschaftliche Lobbyarbeit und Standortpolitik. Das Inselinnere profitiert nicht gleichermassen von den Einnahmen durch den Tourismus wie die Küstenorte oder Palma. Die Schuh- und Lederindustrie sind zusammen mit verschiedenen handwerklichen Manufakturen das wichtigste wirtschaftliche Standbein der Regionen. Auch die traditionelle Landwirtschaft wird trotz immer sinkender Einnamen weiter betrieben.

Binissalem selbst hat in den letzten Jahrzehnten als Weinstadt einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Wenn Ende September die Feste des Vermar, die Weinernte, gefeiert werden, dann reisen die Gäste aus der ganzen Insel an. Die ständige Qualitätssteigerung der Rotweine aus den alten Bodegas José L. Ferrer und Antonio Nadal wird seit langem auf dem spanischen Festland verfolgt. Tatsächlich brauchen die “tintos” der Binissalamers den Vergleich mit den Riojas und den Roten aus Navarra in mittleren Preissegementen nicht zu früchten.

Alaró, eine idylische Stadt

Alaro war schon immer reich an Wasser und verdankt seine Entstehung sicherlich der Quelle von Ses Artiques. Diese liegt an dem alten Weg nach Orient, gleich neben der gleichnamigen Posession, die zu den ältesten der Gemeide zählt.

Die ersten Häuser des Dorfes sind am Fuss des Berges errichtet worden. So entstand nach und nach der Ortsteil Los Damunts, dessen Ortskern die kleine idyllische Plaza ist, die nach den Helden Cabrit und Bassa genannt wurde. Die kleinen Häuser stehen dicht an dicht, viele von ihnen sind direkt in den Berg gebaut. Völlig deplatziert und viel zu gross wurde jedoch das ehemalige Gebäude der Guardia Civil gebaut, das seit 2 Jahrzehnten leer steht und an dem schon der Zahn der Zeit schwer genagt hat. Der Torrente de la Marantxa trennt Los Damunts und Los Davalls. Beide Ortsteile wurden bereits im XIV. Jahrhundert urkundlich erwähnt.

Um dieser Zeit soll man auch mit dem Bau der Kirche begonnen haben, die zu den ältesten der Insel zählt. Sie ist dem Sant Bartomeu geweiht. Das kirchliche Leben bestimmt den Kreislauf der Dorfes, dessen Höhepunkt das Osterfest ist.

Die Geschichte des kleinen Städtchens, das rund 4.000 Einwohner zählt, ist mit der des Castells eng verbunden. Die erste urkundliche Erwähnung fandt Alaró im Tagebuch von König Jaume I. Er schieb, dass “auf dem Weg nach Bunyola rechter Hand ein Castillo auf dem Berg namens Alaró liege”. Die sei die stärkste Festung im Königreich Mallorca.

Die vor 700 Jahren fast uneinnehmbare Bergfestung wurde mehrmals heiss umkämpft. Nachdem das Königreich Mallorca in die Gewalt der Aragonier überging, verfiel die Festung zur Ruine und wurde im XVIII. Jahrhundert zum Wallfahrtsort. Nicht nur die Alaroneses feiern die Mare de Deu del Castell.

Zur Zeit der Franko-Diktatur war Alaró ein stilles Dorf, in den Cafes und Bars wie “Protectora” und “Casino” sassen alte Männer und spielten Karten. Die Frauen dagegen bewaffneten sich früh morgens mit Detergentes und grossen Flaschen Lejia und zogen mit riesigen Körben schmutziger Wäsche zum Waschhaus. Sie verbrachten den ganzen Morgen dort und es ging immer sehr laut zu. Was wohl mehr ihr Leber verändert hat: die Waschmaschine oder die vielen Bars, die geöffnet worden sind?

Ende der 70er Jahre wurde der erste Pub, die “La Maquina”, eröffnet. Die Tische waren aus ausranchierten Nähemaschinen gefertigt. In Alaró sind trotz aller Supermärkte die alten Läden noch existent. Die Verkaufsräume sind Teile der Wohnung, die Öffnungszeiten richten sich nach den Bedürfnissen der Kunden. Ca´n Bou ist einer der legendären Läden, in dem es von Mottenkugeln über Fliegenklatsche so ziemlich alles zu kaufen gibt, was im Haushalt gebraucht wird.

Die Gemeindefläche von Alaró umfasst knapp 50 km2, die von grossen Posessionen bewirtschaftet wurden – Son Forteza, Son Garau, Son Pere Antoni liegen an der Strasse nach Lloseta. Zu den reichsten Posessionen gehört Ses Verger. Fast alle haben eigene Olivelölpressen, tafonas genannt. Mandelplantagen und Olivenhaine sowie Johannisbrot- und Feigenbäume bestimmen die Landschaft um Alaró.

Santanyí, eine Stadt mit Geschichte

Der Blick über die Felder und Plantagen im Süden Mallorcas ist weit und verweckt den Eindruck von Unendlichkeit. Irgendwann werden Meer und Horizont eins und wenn man jetzt ein Schiff bestiege und Kurs nach Süden nähme, käme man direkt nach Algerien. Die Region wird nach dem heissen Wind Migjorn genannt, der über das Meer oft rötlichen Wüstenstaub aus der Sahara nach Mallorca trägt. Der Name des kleinen Städtchen Santanyi geht auf eine Alqueria aus arabischer Herrschaft zurück. Er wurde erstmals im XIII. Jahrhundert in den Archiven verzeichnet. Die christlichen Eroberer nannten den Ort Sancti agnini, das heilige Lamm, doch im Laufe der Jahre wurde wieder mehr und mehr der arabische Name verwendet. Auch der Ortsname von Alqueria Blanca ist arabischen Ursprungs. Doch lange Zeit zuvor wurde die fruchtbare Ebene schon von Menschen bewohnt. Sie bauten sich Talaiots und kleine Hütten aus Stein und so beginnt eigentlich die Geschichte von Santanyi.

Neben der Landwirtschaft entwickelte sich in der Gegend ein reger Handel mit Bausteinen. Die Araber errichteten in Palma einen maurischen Alkazar, der später zu Almudaina Palast umgebaut wurde. Der Bau der Kathedrale La Seu dauerte über 5 Jahrhunderte. Eine lange Zeit, in denen die Baumeister immer wieder Lieferungen von Steinquadern aus Santanyi verzeichneten. Auch die Lonja an der alten Hafenmole von Palma entstand aus den Steinen des Migjorns. Die „pedres de Santanyi“ sind feinkörnige, kompakte Kalksteine. Dabei handelt es sich um ein Sedimentgestein, das durch Verkittung der Mineralkörner entstanden ist und in Steinbrüchen abgebaut wird. Einer von ihnen ist die „Gravera de Puig de Consolacion“. Die Schneise, die von Generationen der picapedrers in die Landschaft gehauen worden ist, hat Ähnlichkeiten mit einem von Menschen geschaffenen Canyon.

Die Struktur des Stadtbildes von Santanyi ist noch deutlich von den Spuren der Jahrhunderte geprägt, in denen vom Meer her die Piratenüberfälle drohten. Auf dem Höhepunkt der Gefahr, zwischen dem XIV. und XVI. Jahrhundert, wurde der Ort zur wahrhaften Stadt ausgebaut. Übrig geblieben ist von ehemals mächtigen Stadtbefestigung die Porta Murada. Die Gemeinde liegt nur 70 m über dem Meeresspiegel. Das Grundwasser war immer schon zu salzig. Das Brauch- und Trinkwasser wurde deshalb auf den flachen Dächern der Häuser gesammelt und über Kanäle in die Zisternen geleitet. Mitten im Dorf befindet sich ein grosses überdachtes Wasserbecken, S´Aljub genannt. Es wurde sorgfältig restauriert und zählt zu den Kostbarkeiten der kleinen Stadt.

An vielen Stellen sind die Stationen des Kreuzwegs „Via crucis“ dargestellt. Doch Mittelpunkt des religiösen Lebens der Stadt ist die Pfarrkirche, die dem heiligen Andreas eingeweiht ist. Der älteste Teil der Kirche ist die Capella de Roser. Sie trägt ein Wappen mit der Jahreszahl 1278 und ist also kurz nach der Eroberung durch Jaime I. erbaut worden. Das mächtige Kirchenschiff des Gotteshauses gleicht einer Festung und wurde im Jahre 1811 eingeweiht.

Viel hat sich nicht verändert in Santanyi. Hier wohnen knapp 7000 Einwohner, Santanyiers genannt, die Kommune hat sich auf die wohlhabenden Kunden aus dem Ausland eingestellt. Die Gemeinde zählt mit einer Fläche von fast 130 Quadratkilometern zu den grössten Mallorcas. Viele junge Santanyiers haben den Ort verlassen, die Landwirtschaft wird zunehmend unrentabel, die Arbeit als Picapedrer ausgesprochen mühsam. Von denen, die ihr Dorf verlassne, singt Maria del Mar Bonet in einem ihrer Lieder.

Auf der Strasse von Santanyi nach Alqueria Blanca liegt kurz vor der Gemeinde das Oratori de la Consolacio. Die Einsiedelei wurde im XVI. Jahrhundert erbaut, und ist 1590 zum Schutze gegen die Piratenüberfälle der Gemeinde Santanyi unterstellt worden. Es ist ein friedlicher Ort, ein Besuch lohnt sich nicht nur der Aussicht wegen. Es scheint fast als hätte die Geschichte an den Gebäuden und den Garten keine Spuren hinterlassen. Auch hier lässt die bauliche Substanz die Steine aus der Umgebung erkennen. Die Zisterne allein ist eine Kostbarkeit und aus einem einzigen Stein geformt. Ein Wasserbecken lädt den durstigen Wanderer zur Rast ein.

Der Blick von hier oben erfasst die gesamte Ost- und Südostküste Mallorcas, nur die Urbanisationen von Porto Colom, Cala d`Or und Porto Pedro unterbrechen den grandiosen Ausblick. Ganz im Süden erscheint die Inselgruppe Cabrera wie ein silbriger Streifen am Horizont.

Santanyí, eine Stadt mit Geschichte

Santa Margalida, die Kornkammer

Irgendwann vor vielen tausenden Jahren sind Menschen an der Nordküste Mallorcas gelandet und fanden eine Landschaft vor, in der sie überleben konnten. Man nimmt an, dass sie in Höhlen wohnten und zumindest ein Teil der Talaiots als Grabstätten für die Verstorbenen errichteten. Die Talaiots sind zwar beeindruckend gross, doch ihr Innenraum ist minimal. Allerdings lagen die grossen Denkmäler aus Stein immer an Punkten, die für die Menschen der damaligen Zeit strategisch wichtig waren. Wer schon einmal die grossen Steinquader hinaufgeklettert ist, wird dies bemerkt haben. Der Norden und Norosten Mallorcas ist reich an archäologischen Funden. Allein in der Gemeinde Santa Margalida gibt es 153 Ausgrabungen, die Zeugnis davon ablegen, dass die Gegend schon sehr früh besiedelt gewesen ist.

Obwohl das Dorf rund 10 Kilometer von der Küste entfernt liegt, verfügt es über einen eigenen Strand: Die Playa de Santa Margalida mit dem Touristenort Can Picafort in der Bahia de Alcudia. Zum Gemeindegebiet gehört auch Son Serra de Marina. Heute leben in dem Städtchen 4.500 Menschen, die man Santamargaliders nennt.

Die erste Pfarrkirche Santa Margalidas ist in den Archiven 1232 erstmals erwähnt. Sie wurde im XIV. Jahrhundert durch einen Brand zerstört. Von da an baute man bis ins XVIII. Jahrhundert an dem Kirchengebäude. Seitdem ist sie nur in unwesentlichen Details verändert worden. Das Gotteshaus ist der Heiligen Margalida geweiht. Ihre Geschichte gleicht einer Erzählung von Scheherezade aus Tausendundeiner Nacht. Wiege und Szenarium der Legende stammen aus dem Arabischen. Die Troubadours, die aus orientalischen Ländern kamen, erzählten davon. Sie, die geraubte Prinzessin voller Unschuld und Liebreiz, war Beute eines Drachen geworden. Mit dem Zauber ihrer betörenden Augen bändigte sie das Ungeheuer, das ihr dann wie ein ergebener Hund folgte. Nach ihr benannten die christlichen Eroberer gerne einen schönen Ort. Sie und die Heilige Catalina Tomas werden seit langer Zeit von den Santamargaliders als Schutzpatronninen des Dorfes verehrt.

Im XVII. Jahrhundert herrschte Chaos und Hungersnot auf Mallorca. Der katholische Klerus stand auf der Seite der Adligen und gemeinsam versuchten sie, wirtschaftliche und soziale Veränderungen zu verhindern. So auch der Graf Ramon Zaforteza in Santa Margalida. Sein Palast befindet sich gegenüber der Dorfpfarrei. Er wollte seine Lehensrechte mit massiven Repressalien gegen die Bürger durchsetzen, die ihre Rechte mit Gerichtsverfahren auf legalem Wege wiederzuerlangen versuchten. Doch Ramon Zaforteza heuerte Mörder an, um die Bürger Santa Margalidas einzuschüchtern. Im November 1647 kam es zum Eklat. Ein angesehener und ehrenwerter Repräsentant Santa Margalidas, Baltasar Calafat, wurde an der Schwelle seines Hauses von den Todesschwadronen des Grafen ermordet. Calafat hatte sich für die Bürgerrechte eingesetzt und den Widerstand gegen den Feudalherren mit dem Leben bezahlt. Doch die Zeit des Grafens war abgelaufen. Die Bürger empörten sich derart über den Mord an Calafat, dass der Graf aus Angst vor Rache flüchten und sich auf sein abgelegenes Anwesen am Fusse des Galatzó zurückziehen musste. Die Legende berichtet, dass der Comte Mal noch heute als böser Geist rund um den Gipfel von Galatzó sein Unwesen treibt.

Santa Margalida war immer schon ein wohlhabendes Dorf. Der Ausblick von der Plattform hinter der Kirche gibt einen Eindruck von der Weide der Felder, deren Getreide den Bürgern Reichtum brachte. Es ist eine weite Landschaft mit sanften Hügeln, die nahtlos in den Pla de Mallorca über geht. Noch heute ist dieses Gebiet die Kornkammer der Insel und wohl die traditionsreichste Region Mallorcas.

Muro: Windmühlen und Strand

Muro macht als kleines, verschlafenes Städtchen zunächst nicht den Eindruck, dass es zu den reicheren Gemeinden Mallorcas gehört. Bei der Kommune konzentrieren sich, neben dem benachbarten Sa Pobla, die meisten Windmühlen der Insel. Nur noch die Gegend am Flughafen Son Sant Joan und von Llucmajor verfügt über eine ähnliche Ansammlung. Den Grundstock für den relativen Wohlstand der Murers legte die ertragreiche Wirtschaft. Schon die Römer bauten Wein und Getreide an. Vor allem grosse Ladungen an Weizen wurden nach Rom verschifft.

Unter arabischer Herrschaft war Muro mit dem Namen Algèbeli eine der neun Provinzhauptstädte der Mauren. Die Moros begannen mit der Trockenlegung der Sumpflandschaft. Noch heute ermöglicht die Fruchtbarkeit der Felder, Äcker und Gärten eine dreifache Ernte im Jahr. Die Bilanz der landwirtschaftlichen Produktion am Ende des XVI. Jahrhunderts ergab, dass Muro mit Sóller, Manacor, Inca, Llucmajor, Pollensa und Valldemossa zu den vermögensten Dörfern Mallorcas zählte. Heute machen sich die Probleme der mallorquinischen Agrarwirtschaft auch in einer der Kornkammern der Insel bemerkbar. Die Absatzkrise der einheimischen Erzeugnisse begann schon in den 70er Jahren, als auch nach Mallorca Obst und Gemüse aus den Hochertragsanbaugebieten von Murcia und Almería geliefert wurden. Die Agrarpolitik der EU beschleunigte zusätzlich die negative Entwicklung: sie fördert über den Preis, deshalb werden grosse Betriebe mit hoher Produktion stärker begünstigt als kleine und mittlere Betriebe. Preis- und Absatzgarantien veranlassen die Landwirte zur Spezialisierung und Intensivierung der Erzeugung durch den Einsatz von Düngemitteln und anderen chemischen Keulen. Kleinbetriebe können nicht so kostengünstig wirtschaften wie spezialisierte Grossbauernhöfe und müssen deshalb aufgeben oder auf Nebenerwerb umstellen.

Dass viele Murers der Arbeit auf Feld und Acker den Rücken gekehrt haben, liegt aber auch an der glänzenden Möglichkeit, im Tourismusgewerbe leichter, schneller und mehr Geld zu verdienen. Die Gemeinde nennt nämlich auch die Playa de Muro ihr Eigen. Das Tourismuszentrum an dem fünfeinhalb Kilometer langen Küstestreifen an der Bahia de Alcudia ist unterdessen zur Haupteinnahmequelle Muros geworden. Trotz vielen Hotels blieb der Naturschutzpark S´Albufera auf dem Gemeindegebiet erhalten. Viele Besucher machen auf der Fahrt in die Albufera Rast in Muro und frequentieren die Bars und Restaurants. Berühmt sind die Gerichte mit Aal und anderen Fischen aus den Gewässern des Naturparkes, die verschiedenen Nuancen und mit deftigen Beilagen serviert werden.

Ein weiteres wirtschaftliches Standbein der Kommune in der Mancomunitat de Nord ist der Abbau von Marés-Stein. Dokumente im Stadtarchiv belegen die Existenz von Steinbrüchen schon im XV. Jahrhundert. Beim Fest des Heiligen Antoni, das jährlich am 17. Januar begangen wird, wurden die Steinhauer von der Gemeinde mit der Einweihung eines Denkmals geehrt.

In der weiträumigen, sanften Hügellandschaft um Muro gruppieren sich 14 Possessións. Die grösste von ihnen ist Son Perera Vell. Die wundersamste Geschichte aber hat Son Jeroni zu bieten. Ihr Erbauer, Guillermo Ballester, wurde einst als Weisenkind von einer wohltätigen Stiftung aufgenommen. Er konnte Lesen und Schreiben lernen, die Abitur machen und studieren. Schliesslich wurde er Professor an der Universität der Hauptstadt. Der Baustil von Son Jeroni zeigt deutlich römische Elemente. Es hat ein flaches Dach mit einer Terrasse. An den vier Ecken der Balustrade stehen grosse Statuen, die die vier Jahreszeiten symbolisieren. Jede der Figuren wendet ihren Blick von Muro ab. Was auch immer der Eigentümer der Possessio damit ausdrucken wollte: die Konstellation der Standbilder ist faszinierend.

Das Stadtbild Muros wird von seiner Hauptkirche dominiert. Der mächtige Bau der Sant Joan Baptista wurde in seiner heutigen Form zwischen 1570 und 1611 errichtet. Der freistehende Glockenturm und das wuchtige Kirchenschiff mit seinen arkadenartig gesetzten Stützpfeilern verlangen nach unbedingter Demut.

Mallorquinische Alltagskultur aus Zeiten, als Touristen nur als Studienreisende unterwegs waren, zeigt das Ethnologische Museum. Es wurde 1965 als ethnologische Abteilung des Museum Mallorca eröffnet.

Lloseta, Kleinstadt mit Flair

Lloseta liegt östlich der geographischen Mitte der Sierra de Tramuntana. Mit seinen 5.000 Einwohnern gehört es eher zu den schlichten Dörfern Mallorcas. Viele der Llosetines waren schon früher das karge Lebe auf dem Land leid und verlegten ihren Arbeitplatz von den Oliven- und Mandelhainen an die Küste. In den Bars, Restaurants und Hotels war es angenehmer, Geld zu verdienen, als auf dem elterlichen Hof.

Die Poststation Can Tofler war früher Rastplatz für die Fahrgäste der Postkutschen, die Pferde und für die Reiter. Erst später wurde die Strasse zwischen Alaró und Lloseta in den Berg gesprengt. Nachdem sie in jedem Reisebuch erwähnt wird, ist sie zur Rennstrecke der Fahrerturisten geworden. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass das fruchtbare Land um die Gemeinde der Mancomunidad Es Raiguer von der prehistorischen bis zur arabischen Zeit kontinuierlich besiedelt gewesen ist. Während der arabischen Herrschaft gehörte die Gegend dem Distrikt des Hus S´Arranjussa an. Nach der Reconquista durch König Jaume I 1229 ging es zusammen mit Binissalem an die Familie Rubines.

Im XV. Jahrhundert wurden die Llosetines von der Pest heimgesucht. Davon erholte sich die Gemeinde mehrere Generationen lang nicht. Erst im XVI. Jahrhundert konnten in der Stadt wieder reiche Ernten verzeichnet werden. Das Ackerland, die Wälder und die Plantagen wurden unter 75 Posedors, Gutsherren, aufgeteilt. Im XVII. Jahrhundert sind erstmals kleine Handwerkstreibende verzeichnet. Unter den zunehmend verbesserten Bedingungen konnten die Llosetins auch mit dem Bau der Kirche beginnen. Sie wurde 1711 eingeweiht und Lloseta ist seitdem eine von Binissalem unabhängige Pfarrei. Zum Dank für die überstandene Pestepidemie wurde La Mar de Deu zur Schutzpatronin von Lloseta. Ein Fest zu ihren Ehren gibt es jährlich am 8. September.

Die Legende der Virgen del coco geht dagegen bis in das XIII. Jahrhundert zurück. Die Bevölkerung ehrt die Heilige Jungfrau an jedem ersten Mittwoch nach Ostern. Das Fest dauert 1 Woche und spielt sich an der Avenida neben den Bahngleisen ab. Die Geschichte der Jungfrau del coco deckt sich mit vielen anderen auf der Insel. Schon in der römischen Zeit Mallorcas gab es eine christliche Gemeinschaft. In Anbetracht der übermächtigen Besatzungen fanden religiöse Versammlungen nur noch im Geheimen statt. Auch viele Reliquien veschwanden im Untergrund. Nach der Reconquista tauchten sie nach und nach aus dem Verborgenen auf. So wurden setsame schwarze Madonnen gefunden. Die Erklärung für ihren heidnischen unchristlichen Teint ist simpel: Sie hatten die Besatzungszeit gut vesteckt im Kamin überstanden. Trotzdem rankten sich über ihr Entstehen abendteuerliche und wundersame Legenden.

Die Entstehung und Entwicklung der grossen Possesionen Llosetas verliefen ähnlich wie die der anderen Landgüter am Fusse oder in der Sierra de Tramuntana. Viele der Adligen waren der Aufgabe als landwirtschaftliche Unternehmer nicht gewachsen und verkauften ein Stück Land nach dem anderen. Die Dekadenz des Adels brachte den fleisigen Bauern Wohlstand. Viele konnten mit der Zeit ihren ehemaligen Herren die Possesion mit den Gebäuden abkaufen. Wegen seinen Bauern gehört Lloseta zu den ersten Dörfern der Insel mit eigener Elektrizität und eigenem Kino.

Im Jahre 1875 wurde die Zugstrecke PalmaInca eröffnet. Kurze Zeit später entstanden in Lloseta die ersten Schuhmanufakturen. Der Export der Schuhe ging an das spanische Festland und sogar in die spanischen Übersee-Besitzungen. Heute sind besonders die Berg- und Wanderstiefel der Familie Bestard bekannt, die ausserhalb der Gemeinde eine Fabrik errichtet hat.

Lloseta, Kleinstadt mit Flair

Tramuntana Gebirge, ein wildes Gebirge

Wenn man als Tourist auf Mallorca landet, ist einer der ersten Anblicke die der Sierra de Tramuntana, der Gebirgskette Tramuntana.

Während von Palma nach Sóller ein einziger Zug fährt, durchschneiden im Vergleich die Alpen rund 8.000 km Eisenbahn. Trotzdem fordern die Umweltschützer seit langem die Deklarierung der Kette zum Naturschutzgebiet. Bedrohte Tierarten wie der Voltor negre, der Mönchsgeier, oder “ferreret”, der kleine Frosch, konnten gerade noch vor dem Aussterben bewahrt werden.

Knapp 1.000 Quadratkilometer gross und 100 km lang ist die Tramuntana das Wasserparadies der Insel. In den 19 Grossgemeinden, die die Serra de Tramuntana ausmachen, hat die Landwirtschaft seit Generationen die Bewohner ernährt: Scharfe, Ziegen, Mandeln, porc negre (scharze Schweine). In den mallorquinischen Herrenhäusern Possesiones, verlief die Existenz in den traditionellen Bahnen – bis vor ca. 40 Jahren.

Valldemossa, Son Marroig, S´Estaca, Sa Calobra sind die Merkmale der Tramuntana, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Und wer das Wandern mag, fühlt sich von den Bergen Mallorca sowieso magisch angezogen.

Eine schöne audiovisuelle Vorstellung Tramuntanas – ausser diesem Teleweb-Beitrag natürlich – können Sie in Costa Nord in Valldemossa sehen, mit Michael Douglas in der Hauptrolle.

(28.6.2011) Tramuntana ein Welterbe
Die Gebirgskette Tramuntana ist ein Welterbe, erklärte UNESCO gestern, am 27.6.2011. Alle Mallorca-Liebhaber wussten schon lange, dass Tramuntana ein magisches Gebirge ist, jetzt erst recht. Nicht viel ändert sich, aber ein UNESCO-Stempel platziert wieder Mallorca auf der Weltkarte und wir alle können uns beglückwünschen – diesmal mit einem tollen Grund.

Tramuntana Gebirge, ein wildes Gebirge